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Geschichte des Billardsports Drucken E-Mail

   Die Entwicklung des Billardspiels lässt sich bis in das frühe Mittelalter zurückverfolgen. Das englische Krocket wird als Vorläufer des Pool Billard gesehen, wo auf dem Rasen die Kugeln mit einem Holzschläger durch Metallringe gespielt wurden. Wahrscheinlich wurde dieses Spiel später in den häuslichen Bereich verlegt und dann auch auf Tischen gespielt. Die Taschen ersetzten die Metallringe.
   Ein Gemälde des holländischen Malers Adiaen van Venne (1589 – 1662) „A Game of Billards“ zeigt einen Billardtisch, der mit einem Tuch bezogen war und sechs Taschen aufwies. Die ersten Queues ähnelten einem Golfschläger, das dickere Ende war mit einer Auflagefläche versehen, mittels derer die Queues auf den Flächen umhergeschoben wurden um die Kugeln anzustoßen. Ein Bild aus dem frühen 18. Jahrhundert zeigt, dass sich die Billardstöcke zwischenzeitlich der Form des heutigen Queue angenähert hatten und der Stoß von den Spielern so angesetzt wurde wie es heute üblich ist.
   In Europa entwickelte sich das Billardspiel im 15. Jahrhundert zu einem Gesellschafts-spiel welches an Fürsten-/ und Königshäusern ausschließlich der adligen Gesellschaft zur Zerstreuung und zum Vergnügen gereichte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erfreute sich der Billardsport so großer Beliebtheit, dass in Europa und USA überall überaus luxuriös ausgestattete Billardsäle eröffnet wurden. Da Sportwetten in dieser Zeit weit verbreitet waren, fanden große Turniere statt wo bekannte Queueartisten gegeneinander antraten. Solche Matches zogen bis zu 1000 Zuschauer an, der Billardsport war zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden. Somit war es nur noch ein Frage der Zeit bis auch die unteren Gesellschaftsschichten Zugang zu den Championships erhielten, die von den Betreibern der Billardsäle organisiert und ausgerichtet wurden. Das Allroundtalent Michael Phelan (1818 – 1871) Billardprofi, Hersteller von Billardtischen und Billardsaal-Betreiber, gilt als Vater des amerikanischen Billards.
   In Europa wurde zu dieser Zeit Karambol gespielt. In Amerika setzte sich mehr das Karambol und Pool Billard durch. In England hingegen etablierte sich das „Englisch Billard“, das dem heutigen Snooker vorausging. Die Blütezeit des Pool Billard in USA wird auf die Zeit von 1870 bis 1930 beziffert, wo es 42.000 Billardhallen gegeben hat. Pool Billard war zu einem Volkssport geworden. Die Zeit der wirtschaftlichen Depres-sion eingeläutet durch den „schwarzen Freitag“ führte zur Verarmung des wohlhabenden Bürgertums, das sich den Besuch in den luxuriösen Billardhallen nicht mehr leisten konnte. Jetzt bevölkerten die Beschäftigungslosen die Billardhallen, die sich mit dem Billardspiel existentiell über Wasser zu halten versuchten. So entstand eine zwielichtige Zockerszene, die dem Ansehen des Billardsports äußerst abträglich war. Viele Billard-hallen wurden geschlossen, die Bedeutung des Billardsports sank insbesondere weil sich inzwischen andere Freizeitsportarten etabliert hatten wie z. B. Football, Basketball oder Bowling.
   Die Verfilmungen der Romane „The Hustler“ und insbesondere „The Color of Money“ gaben Einblicke in die Zockerszene des Pool Billard und die Thematik von Gewinner-/ und Verlierertypen. Diese Filme fanden großen Anklang beim Publikum und führten zu einer Renaissance des Billardsports weltweit. Gegenwärtig haben sich drei Billarddisziplinen etabliert:
   - das im romanischen Sprachraum verbreitete Karambolage, das mit drei Kugeln auf
      einem Tisch ohne Taschen gespielt wird.
   - das im angelsächsischen Sprachraum (United Kingdom und dessen Kolonien) ver-
      breitete Snooker, welches mit 22 Kugeln auf 12-Fuß-Tischen gespielt wird.
      Zur Zeit erlebt Snooker, gestützt durch zahlreiche TV- Übertragungen, auch in
      Deutschland einen wahren Boom.
   - die weltweit höchste Popularität genießt jedoch das Pool- Billard. Zwischen-
      zeitlich ist Pool in Deutschland die beliebteste und bekannteste Billarddisziplin.
      Pool-Billard wird auf einem 9-Fuß-Tisch mit 6 Einspieltaschen gespielt, wobei
      15 nummerierte, farbige Kugeln plus der weißen Spielkugel zum Einsatz kommen.
      Offizielle Spiele der European Pocket Billard Federation (EPFB) bzw. der
      Deutschen Billard-Union (DBU) sind das 8-Ball, 9-Ball und 14/1e.


8-Ball: die wohl bekannteste Disziplin unter den Freizeitspielern. Es wird mit
           15 Kugeln gespielt, wobei ein Spieler die „Vollen“ und der andere die
          „Halben“ Kugeln versenken muss. Derjenige, der zuerst seine Gruppe
           und anschließend die schwarze 8 abgeräumt hat, ist Gewinner des
           Spiels.

9-Ball: 9-Ball ist die zur Zeit am weitesten verbreitete Spielart auf Turnieren.
          Hier werden die Kugeln 1 bis 9 verwendet, die der Reihe nach versenkt
          werden müssen. Sieger ist der Spieler, der die 9 locht.

14/1e: Im 14/1e dürfen alle 15 Kugeln in beliebiger Reihenfolge versenkt
           werden, wobei jede Kugel einen Punkt zählt. Es werden nach jedem
           Aufbau aber nur 14 der 15 Bälle in die Taschen gespielt. Die 15. Kugel
           verbleibt auf ihrer Position und das Dreieck wird wieder mit den rest-
           lichen 14 Kugeln aufgebaut, wobei die vorderste Position frei bleibt.
           So kann mit dem 15. am Tisch verbliebenen Ball das Spiel fortgesetzt
           werden. Siegreich ist hier der Spieler, der zuerst eine bestimmte, vorher
           festgelegte Punktzahl erreicht hat.

   Das Queue-Leder wurde 1807 von Francois Mingaud eingeführt. In seinem in 1827 erschienenen Buch über Billard, beschrieb er die Stöße, die durch die Einführung des Leders möglich geworden waren.

   Das Billardtuch wurde erstmals in Europa durch die Fa. Ivan Simonis 1860 hergestellt. Das Tuch besteht zu 90% aus Wolle und zu 10% aus Polyamid. Die rauhe Oberfläche des Billardtuches entsteht durch spezielle Bedampfungsvorgänge, welche die Wollanteile verfilzen lassen.

   Die Billardkugeln wurden in der Anfangszeit des Billard aus Elfenbein hergestellt. Die übergroße Nachfrage an Billardkugeln in der Blütezeit des Billardsportes zu Beginn des letzten Jahrhunderts führte dazu, dass die Kugeln aus einem Ersatzwerkstoff hergestellt wurden. Phenolharz war der erste Kunststoff, der in dieser Zeit industriell hergestellt werden konnte, der auch zu Herstellung vieler anderer Produkte angewandt wurde, z.B. Telephone. Wegen seiner excellenten Eigenschaften hinsichtlich Festigkeit und Formbeständigkeit wird Phenolharz auch heute noch zur Herstellung von Billardkugeln verwendet.


Quelle: Ralph Eckert „Eine kleine Historie des Billardspiels“ unveröffentlicht, Mannheim 2000.